20.06.2019

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Jugendfahrt nach Hemmoor 2011

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Am Samstagmorgen um 10:00 Uhr war es endlich soweit: die langersehnte Fahrt unserer TSC-Jugend nach Hemmoor konnte beginnen. Doch zunächst galt es, das komplette Tauchgepäck für die insgesamt 13 Teilnehmer auf die wenigen Autos zu verteilen. Cheforganisator Rüdi(ger) hatte seine (bislang guten) Beziehungen zu unseren Gerätewarten auf’s Spiel gesetzt und ausgeliehen, was immer er kriegen konnte. Danach sah unser Clubraum aus wie nach einem Räumungsausverkauf: leere Regale, kahle Wände und 2 völlig frustrierte Gerätewarte, die auf einen Schlag keinen Job mehr hatten. Solchermaßen gerüstet ging’s dann auf die 400 km lange Strecke nach Hemmoor.

Hemmoor…. dieser Name hat in Taucherkreisen einen Ruf wie Donnerhall. Der Kreidesee, der diese eher unauffällige kleine Stadt bekannt gemacht hat, war ursprünglich ein Tageabbaugebiet, wo bis 1976 Kreide gewonnen und in die ganze Welt vertrieben wurde. Dann wurde der Abbau unrentabel und das Unternehmen aufgegeben. Die riesige Grube, in der sich noch immer Teile der seinerzeit verwandten Industrieanlagen befinden, lief langsam voller Grund- und Regenwasser. Seit ein privater Investor dort ein Tauch- und Freizeitzentrum ein­gerichtet hat, strömen jährlich über 30.000 Taucher nach Hemmoor, um solch sagenumwobene Stellen wie den berühmten Rüttler, eine frei schwebende Cessna, den weißen Hai oder den Männerwald zu betauchen. Und dieses Tauch-Eldorado sollte für die nächsten 7 Tage zum Mittelpunkt unseres geballten Interesses werden.

Rüdi hatte für uns insgesamt 3 Häuser (Nr. 31, 32 und 38) gemietet, auf die sich die ganze Truppe bei der Ankunft verteilte. Im Epizentrum lag das „Patrik’s Palace“, benannt nach unserem „kleinen“ Patrik (Tesarik), der über die dort einquartierte Rasselbande die Oberaufsicht hatte. Flankiert wurde dieses Haus von seinem unmittelbaren Nachbarn, dem „Chez Rüdi“, und etwas weiter entfernt von der „Casa dél Miguel“. Letztere verdankte ihren Namen dem „Chief of staff“ vor Ort, unserem Michael (Langner), der seinen ersten Tag am Kreidesee wie folgt beschreibt:

 

„Was für ein See! Als wir (David, Tobias und Michael) nach gut 4 stündiger Fahrt im Ferienpark Kreidesee ankommen, erwartet uns ein Anblick der etwas anderen Art. Neopren, wohin das Auge fällt. Wahre Horden von Tauchern drängen sich Richtung See. Sämtliche Parkplätze sind belegt. Gott sei Dank haben wir feste Stellplätze an unseren hübschen bunten Holzhäusern im schwedischen Stil.

In Pavillons bieten Hersteller ihre Produkte zu Testzwecken an: Trockentauchen? - Kein Problem! Anzüge aller Größen sind vorhanden! Mal einen Scooter ausprobieren? - Sicher doch! Kostet aber 30€! Masken, Flossen, neueste Atemreglertechnik? - Alles geht, alles ist verfügbar.  Die Frage stellt sich nur - wie soll das alles in den recht übersichtlichen See passen? Am legendären Rüttler müssen wahrscheinlich Nummern gezogen werden...

Als nach kurzer Zeit Rüdiger mit seiner Crew (Andy, Martin Schneider und Alexej) eintreffen, beziehen wir erst einmal unsere Häuser und gehen einkaufen. Heute wird definitiv nicht mehr getaucht. Vor Ort erwarten uns bereits Marvin und seine Mutter Steffi mit ihrem Partner Andi. Die anderen Teilnehmer der Tauchwoche (Martin Focke und Pattrick, Uschi mit Jost und Till) werden erst am Sonntag eintreffen.

Abends gibt es eine erste Kochaktion in den Häusern, bei der tonnenweise Spaghettisoße entsteht, die uns noch für Tage verfolgen soll. In einer gemütlichen Runde klärt Rüdiger uns mit gut gefüllten Bäuchen über die Besonderheiten des Gewässers und die Planung für den nächsten Tag auf.

Überhaupt - Rüdiger!!! Unglaublich, wie er die Fäden in der Hand hält und vom Flaschenfüllen über die Tauchgangsplanung und Anmeldung bis hin zur kompletten Organisation der Woche und Verwaltung der Bungalows alles im Griff hat. Ein riesiges Dankeschön für diese Herkulesaufgabe!“    Michael Langner

 

Unsere Unterkünfte waren voll und ganz auf die Bedürfnisse von Tauchern angelegt worden: Trockenraum mit Abfluss und Ventilation, ein separater Abstellraum und draußen vor dem Haus noch ein Trockengerüst – perfekt! Und auch sonst ließen unsere Unterkünfte keinerlei Wünsche offen: ein gemütliches, großes Wohnzimmer mit angrenzender Küche (mit Spülmaschine!), großzügig dimensionierte, freundliche Badezimmer und – last, but not least – eine komplett eingerichtete Sauna.

Angesichts der in den nächsten Tagen vorherrschenden Wetterverhältnisse war eine solch komfortable Unterkunft auch dringend geboten. Die ansonsten überragende Planung dieser Jugendfahrt durch unseren Rüdi war in diesem Punkt nur unzureichend bzw. gar nicht erfolgt, denn es regnete sprichwörtlich Bindfäden. Nicht stundenlang, sondern tagelang. Aber es wäre keine TSC-Vereinsfahrt gewesen, wenn dieser Umstand unsere gute Laune in irgendeiner Weise beeinträchtigt hätte. Im Gegenteil, die Stimmung war vom ersten Tag an nahezu ausgelassen, und der Zusammenhalt der Truppe hätte jeder Special-Forces-Einheit zur Ehre gereicht. – Nachdem persönliches Gepäck und das Tauchgerödel verstaut waren, hieß es zunächst einmal einkaufen gehen. Jedes Haus hatte hierzu vom Rüdi ein bestimmtes Budget zugewiesen bekommen, von dem in der folgenden Woche Essen und Trinken zu finanzieren war. Wer nun dachte, dass unsere Kids sich die ganze Zeit von so nahrhaften Dingen wie Currywurst, Pommes & Majo oder irgendwelchen fetttriefenden Burgern ernähren würden, wurde schnell eines Besseren belehrt. Unter der Leitung von „Maitre Alexej“ entfachte unsere Jugend in den nächsten Tagen ein kulinarisches Feuerwerk, das Tim Mälzer wie einen drittklassigen Frikadellendreher hätte aussehen lassen. Seine Erfahrungen hat Alexej wie folgt zusammengefasst:

 

„Da unser Haus nur aus Jugendlichen bestand, von denen alle bei der Ankunft schon sagten, dass sie nicht kochen würden, blieb es an mir hängen. Wir hatten schon im Voraus geplant, was wir an welchen Tagen essen werden, damit wir sparsam einkaufen konnten. Die Küchen waren dann doch eher mager ausgestattet, aber Gewürze und Paniermehl waren vorhanden, was uns zu Gute kam. Es gab verschiedene Gerichte: Von Schnitzel mit Bratkartoffeln bis hin zu Reis mit Pute in süß-saurer Soße. Auch wenn es für sechs Personen ungewohnt ist, hat man es dann doch geschafft, alle zu versorgen. Es wurde mir auch gelegentlich unter die Arme gegriffen von meinen Hauskameraden. Es war insgesamt eine sehr schöne Woche mit netten Leuten. Es war alles wunderbar organisiert und alles lief gut.“ J Alexej

 

Schließlich war noch ausreichend Zeit für ein gewissenhaftes Tauchplatzbriefing, zu dem Rüdi die ganze Truppe mit an den See nahm, um die verschiedenen Einstiege (E0 bis E5), die Rettungskette sowie gewässertypische Besonderheiten erklärte. Jetzt waren wir vorbereitet und (tauch)hungrig.

Die nächsten 6 Tage folgten einem sorgsam ausgearbeiteten Schlachtplan: Nach dem Frühstück fuhr unser Rüdi mit einer LKW-Ladung Tauchflaschen zu der im Ort gelegenen Tauchbasis, wo die Flaschenfüllung geringfügig günstiger als vor Ort im Tauchcenter war. Begleitet wurde er wechselweise von je 2 TSC’lern, so dass jeder einmal in der fragwürdigen Genuss der Flaschenschlepperei kam. Wieder zurück im „Camp“ erfolgte die Einteilung der Tauchgruppen durch unsere TL/ÜL, die – zusammen mit unseren erfahrenen Tauchern – eine sichere und VDST-gemäße Begleitung unserer Jungtaucher gewährleistete. Dass dabei trotzdem das eine oder andere Unerwartete auf unseren Nachwuchs lauerte, zeigt der nachfolgende Beitrag von unserem David:

 

Mein schönster (und lustigster) Tauchgang:

„Meinen 2. Nachttauchgang, den ich in Hemmoor gemacht habe, war mein schönster und auch mein lustigster. Wenn man es lustig nennen kann. Zirka 5 Minuten nach unserem Start sahen wir einige Lachsforellen, die an uns gemütlich und friedlich vorbeigeschwommen sind. Plötzlich schießt eines dieser friedlichen Tiere auf mich zu und beißt in meinen Zweitatemregler. Dann dreht es wieder um und schwimmt weiter als wäre nichts geschehen! Vielleicht dachte es, dass der gelbe Atemregler etwas zu fressen sei und probierte halt mal ein Stück Hartplastik. Oder wollte mich dieses Weibchen nur küssen, denn meine großen, braunen Augen sind schließlich nicht nur den Lachsforellen bekannt! Die wahren Haie gibt’s halt nur in Hemmoor und meine Nase ist ja schließlich noch dran! Insgesamt war es eine grandiose Woche. Wir hatten riesig viel Spaß, Freude und – sehr gelegentlich –  auch gutes Wetter.

See you in Hemmoor 2012!”                                                            David B. Brochheuser

 

Bei der Betreuung unserer Jugend kam erleichternd hinzu, dass unsere Freunde Steffi und Andi vom TSC Muräne mit vor Ort waren und uns in jeder Beziehung hilfreich zur Seite standen.

Trotz „suboptimaler“ Sichtverhältnisse – der Dauerregen hatte reichlich Schwebstoffe in den See eingeschwemmt – war das Tauchen für uns alle von Anfang an ein Genuss. Das war doch mal etwas anderes als diese Regenpfütze von Bever der letzten Wochen. Die überall herumliegenden Kreidestücke fanden zu ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung zurück, und bald zierte das TSC-Logo und die Vornamen der Protagonisten nahezu jede beschreibbare Fläche in den Einstiegsbereichen. Wer lesen konnte, war klar im Vorteil!

Wer SCHREIBEN kann, ist dies übrigens auch, wie der Tagebucheintrag von unserem Tobi eindrucksvoll beweist:

 

„Heute ist der zweite Tauchtag (29.08.11) und das Wetter ist recht schön.

Nach dem Frühstück ging es los. Rüdiger hatte sich schon Gedanken über die Gruppeneinteilung gemacht, sodass ich zusammen mit ihm, Alexei, Uschi, Jost und Marvin  in Einstieg 1 (E1) in den Kreidesee eingestiegen sind. Dort verläuft eine alte Straße, die bis auf 40 Meter in die Tiefe führt. Dieser Straße sind wir gefolgt und stießen auf ca. zwölf Meter Tiefe auf ein voll aufgetakeltes Segelboot. Es war sehr faszinierend!

Nach weiteren zehn Metern sahen wir die Umrisse einer alten Betonbombe, die in 22 Metern Tiefe stand. Dort unten war es aber schon mächtig kalt und es wurde immer dunkler. Die Kälte schnitt einem ins Gesicht.

Also sind wir etwas höher gestiegen und kamen in den Mädchenwald, der zwischen 0 - 20 Meter Tiefe liegt. Wir schlängelten uns auf der drei Meter Linie zurück durch den mystisch wirkenden Wald zu E1. Auf dem Weg dorthin sahen wir einige Zander und Barsche.

Nach ungefähr einer halben Stunde erreichten wir den Einstieg wieder, doch alle in unserer Gruppe hatten noch genügend Luft für einen weiteren Tauchgang. Also hieß es wieder abgetaucht und diesmal links herum zur Abbruchkante des Steinbruchs. Dieser Steilhang fällt bis auf 40 Meter Tiefe ab, ohne Zwischenstopp! Also haben wir ganz vorsichtig über die Kante gelugt und man sah nichts weiter als bläulich schwarzes Wasser.

Dann ging es langsam wieder zurück und auf dem Rückweg stießen wir auf eine Übungsplattform aus Holz in sechs Metern Tiefe. Dort versammelte sich unsere Gruppe und Rüdiger nahm plötzlich seine Maske ab. Er setzte sie wieder auf und bedeutete uns, dasselbe zu tun. Also ging es einmal reihum und alle nahmen ihre Masken ab und bliesen sie anschließend aus.

Nach dieser kleinen Übung tauchten wir zurück zum Startpunkt und verließen das Wasser.

Nach einer kleinen Mittagspause ging es nochmals unter Wasser. Diesmal hatte sich die Gruppenkonstellation allerdings ein bisschen verändert. Jetzt tauchte ich mit David und meinem Papa.

Wir planten den Tauchgang so, dass wir zum Flugzeug kommen, uns dort ein wenig umschauen und dann Kurs zurück zum Ufer nehmen. Gesagt getan. Im Blindflug ging es auf fünf Metern Tiefe in Richtung des Fliegers (Kompasskurs 65 - 70°). Schon nach wenigen Minuten erblickten wir unter uns die neongelbe Cessna. Es war ein wahnsinniger Anblick!

Nachdem wir alles angeguckt hatten, ging es zurück zum Ufer. Eigentlich wollten wir dort noch eine Werkbank finden. Dies ist uns allerdings nicht geglückt.

An E0 wieder angekommen sind wir ausgetaucht, haben uns aber entschieden noch bis E1 weiter zu tauchen. Dort ist der Ausstieg einfacher. So ging es also für mich zum zweiten Mal an diesem Tag über den Steilhang.

Auf den beiden Tauchgängen habe ich auch einige Fische gesehen, wie zum Beispiel Zander, Barsche und Forellen.

Abends sind Martin Focke und mein Papa noch mal ins Wasser gegangen. Zum Nachttauchgang. Dies hat ihnen sehr gut gefallen. Deshalb werde ich es morgen Abend auch mal ausprobieren.

Alles in einem war es ein sehr erfolgreicher Tag!!!“                        Tobias Langner

 

Nach dem 1. TG war in der Regel ein leichtes Mittagessen und anschließend Siesta angesagt. Insbesondere Letztere wurde gern und häufig in Anspruch genommen, so dass „Chief Patrik“ seine Truppe nicht selten energisch zum 2. TG am Nachmittag drängen musste.

Wer danach immer noch nicht genug hatte – und gerade in den letzten Tagen wurden es immer mehr – wartete bis zum Einbruch der Dämmerung, um sich dann auf einen Nacht-TG am Einstieg 1 vorzubereiten. Übersichtlich in der Orientierung, nicht zu tief und vor Allem jedem bekannt, war dieser Einstieg geradezu ideal für einen aufregenden Abschluss des Tages. Im Schein unserer Lampen nutzen Raubfische die unerwartete, aber willkommene Illumination ihres Reviers und machten Jagd auf die unschuldigen Opfer, die versehentlich in die Lichtkegel unserer Lampen gerieten. Auch Süßwasserkrebse, die todesmutig mit ihren Scheren auf uns losgingen, waren keine Seltenheit, sogar ein armdicker Aal wurde gesichtet. Die Begeisterung der Kids kannte keine Grenzen, wenn Sie dann gegen 22:00 Uhr wieder aus dem Wasser kamen und vom Empfangskomitee des TSC begrüßt wurden.

In der Zwischenzeit hatte das jeweils zuständige Küchenteam Erstaunliches gezaubert: Wer als Unbeteiligter in unserer Nähe vorbeiging, der musste aufgrund der beeindruckenden Duftwolke unweigerlich zu der Ansicht gelangen, dass er sich auf einer bis dahin nicht bekannten Fressmeile befinde. Auf’s Beste gesättigt und erschöpft von zum Teil 3 anstrengenden TG fielen unsere Helden dann um wie die Fliegen. Wer noch die Kraft hatte, schleppte sich ins „Chez Rüdi“, wo die Logbücher geführt und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet wurden.

 

So gingen die Tage wie im Flug dahin. Abgesehen von einem Halbtagesausflug nach Cuxhaven bzw. Stade wurde „durchgetaucht“, so dass gerade unsere weniger erfahrenen Taucher eine Menge an Erfahrungen machen durften, die sich für ihre weitere Entwicklung sicherlich als sehr wertvoll erweisen werden.

 

Der letzte Abend (Freitag, 02.09.11) brachte dann noch eine Überraschung für unseren Rüdi mit sich: als kleines Dankeschön für seine vorbildliche Vorbereitung, Organisation und Durchführung dieses Mammutunternehmens erhielt er ein von David gestaltetes und von allen Teilnehmern unterschriebenes T-Shirt, dass ihn hoffentlich noch lange daran erinnern wird, wie dankbar wir alle ihm für diese tolle Woche sind. Die von Michael aus diesem Anlass vorgetragenen Laudatio erhielt denn auch den gebührenden donnernden Applaus, verbunden mit der von uns allen getragenen Überzeugung:“ We’ll be back!“